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Diskussion: Smart City am 18. Okt. 2011


Datum: 21.10.2011

Moderne Technologien ermöglichen eine umfassende, intelligente (smarte) Vernetzung der städtischen Infrastruktur. Wird die Stadt der Zukunft damit eine Stadt für alle oder nur für die soziale Elite sein?


Über Veränderungen, Chancen und Risiken diskutierten am 18. Oktober im Dachsaal der Urania Dr.in Gabriele Payr (Generaldirektorin der Wiener Stadtwerke), Ing. Kurt Gartlehner (Abgeordneter zum Nationalrat, Technologiesprecher der SPÖ), Dr. Kurt Hofstädter (Vorstandsmitglied Siemens Österreich) und Günther Ogris MA (Sozialwissenschafter). Moderiert wurde die Diskussion von VSI-Vorstandsmitglied Wolfgang Morrenth.

Smart bedeute für Payr: gscheit. Wien wäre gscheit, wenn es sich bemühe, von der großen Abhängigkeit von Erdgas weg zu kommen, betonte Gabriele Payr. Generell sei das Thema Energiesparen ein besonders wichtiges. Sie plädierte für transparente Energieverbrauchsanzeigen im Haushalt, die den BürgerInnen ermöglichen, den unmittelbaren (live) Energieverbrauch abzulesen. Bei einer monatlichen Rechnung sei es nur schwer, die Einsparungspotenziale zu erkennen, erklärt Payr, weil ein ganzes Monat in punkto Energoeverbrauch kaum rekonstruierbar ist.

Dr. Kurt Hofstädter berichtete über die Neuausrichtung des Konzerns, nachdem Siemens aus dem Atomenergiebereich gänzlich ausgestiegen war. Hoftstädter betonte, wie wichtig der Standort Österreich für hochwertige Industrieprodukte sei. In Simmering würden beispielsweise U-Bahn-Waggons für die ganze Welt produziert, womit 1.600 Arbeitsplätze gesichert würden. Siemens setze dabei auf heimisches Know-how, Innovation durch Zusammenarbeit mit der öffentlichen Hand und höchtes handwerkliches Können (insbesondere beim Schweißen) in den österreichischen Werkstätten. Ein großer Teil der Investitionen gehe bei Siemens in die Forschung und Entwicklung. Es sei in der Forschung wichtig, dass die öffentliche Hand durch Ankäufe  von innovativen Produkten in größeren Mengen den nötigen Schub gebe, damit sich diese dann auch am Weltmarkt durchsetzen könnten. Ohne die ÖBB wäre Siemens beispielsweise im Bereich Schienentechnik nicht dort, wo der Konzern heute stehe.

Ing. Kurt Gartlehner, der Technologiesprecher der SPÖ, berichtete, dass er eine Arbeitsgruppe für Forschung und Innovationen im Nationalrat eingerichtet habe, die sich mit der Frage der Realisierung von Innovationen auseinander setze. In dieser Arbeitsgruppe seien neben TechnikerInnen auch Sozialwissenschaftler, wie Günther Ogris. Das sei sinnvoll, weil man Technologieentwicklung niemals von den Bedürfnissen und dem Denken der Kundinnen und Kunden trennen könne.

Sozialforscher Günther Ogris sagte, dass sich Menschen immer die Frage stellen müssten, was Technologie mit der Gesellschaft mache und wohin sie diese führe. Der Sozialwissenschafter betonte, dass in einer sozialdemokratischen Technologiepolitik auch die Frage der Umverteilung und der sozialen Gerechtigkeit entscheidend sei. Es helfe nicht, wenn die Wirtschaft Produkte zur Verfügung stelle, die sich nur ein geringer Teil der Bevölkerung leisten könne. Wichtig sei, die wichtigsten Bedürfnisse der Menschen in der Technologiepolitik nicht aus den Augen zu verlieren.

Die rund 100 TeilnehmerInnen verfolgten die lebendigen Diskussionen mit großer Aufmerksamkeit. Im Anschluss wurde so manche offene Frage am Buffet in gemütlichem Ambiente erörtert. Es wurde getratscht, genetzwerkt und so und so manche Visitenkarte ausgetauscht. Ein sehr informativer, hochkarätig besetzter Abend, an dem noch bei weitem nicht alles gesagt wurde. Übrig blieb viel Stoff für eine mögliche Follow-Up-Veranstaltung. Das Thema Smart City steht ja erst in der Anfangsphase.